Sven Giegold, Spitzenkandidat der Grünen für die Europawahl, zu Besuch in Huntlosen
Stiller Zuhörer mit präzisen Nachfragen
Huntlosen – Fünf Tage vor der Europawahl am kommenden Sonntag hat einer der beiden Spitzenkandidaten der Grünen, Sven Giegold, Station in Huntlosen gemacht. Kurz vor dem Wahlkampf ist die Zeit für jeden Kandidaten knapp: Warum also gerade dieser Ort? „Ich kenne Huntlosen von früher“, sagt der Politiker auf dem Parkplatz am Hunteufer.
Dort haben sich am Montagmittag neben Vertretern der Grünen aus dem Landkreis auch Mitglieder des Bürgervereins Sandhatten eingefunden. Er habe als Mitglied der Jugendgruppe des Bund (Bund für Umwelt und Naturschutz) an einem Seminar in dem hiesigen Bildungszentrum teilgenommen, so Giegold. „Das ist lange her, in den 1990ern“, sagt der 49-Jährige. Später habe er noch einmal einen Vortrag in Huntlosen gehalten. Und da er am Wochenende im heimischen Stedorf (Gemeinde Dörverden) war und sich jetzt auf dem Weg zu einer Abendveranstaltung in Emden befinde, liege Huntlosen auf dem Weg. Als weiteren Gast begrüßt Elke Szepanski (Sprecherin des Kreisvorstandes) zudem den Landesvorsitzenden Hans-Joachim Janßen, der sich geräuschlos unter die Gruppe gemischt hat.
Ira Zylka von der Hunte-Wasseracht berichtet während eines Spaziergangs über die Veränderungen des Fusses im Laufe der Jahrhunderte und die drei Renaturierungsmaßnahmen, mit denen das Gewässer wieder natürlicher und mäandrierender werden sollte. 1996 in Dötlingen begonnen, gehört insbesondere Neuöffnung alter Flussarme dazu, so Zylka. Auf dem Weg zum nächsten Halt bleibt Giegold plötzlich stehen: „Da, eine Gebänderte Prachtlibelle“, sagt er und zeigt mit dem Finger auf das Fluginsekt, das sonst niemandem aufgefallen war. „Mein Herren, alle mal herschauen“, bittet er mit fester Stimme die Gruppe um Aufmerksamkeit, „hier sehen Sie eine Gebänderte Prachtlibelle.“ In ernster Aufmerksamkeit folgt die Gruppe Giegolds Hinweis. „Das ist eine meiner Lieblingslibellen“, sagt er sachlich. Von der grünen Uferböschung, über der das geflügelte Kerbtier umherschwirrte, wendet er sich der anderen Seite des Pfades zu – dort grünt Getreide auf einem Feld.
„Der Acker dagegen“, sagt er über das augenscheinlich herkömmlich bestellte Feld, „ist etwas, was wir nicht wollen.“ Ob durch den Einsatz von Glyphosat oder ohne: „Das ist ökologisch tot, da schmerzt dem Naturschützer das Herz.“ Auf dem „reinen“ Feld gebe es nichts, wovon sich Insekten und Vögel ernähren können, sagt er.
Vergleichbar Programmatisches kommt ihm dann nicht mehr über die Lippen. Giegold erweist sich während des knapp einstündigen Spazierganges vielmehr als stiller, aber aufmerksamer Zuhörer, der bereits gut informiert ist und präzise Nachfragen zu stellen weiß.
Abschließend auf die Europawahl angesprochen, gibt er sich optimistisch: Die Wahl werde sicherlich stärker wahrgenommen als noch vor fünf Jahren. Dafür gebe es zwei Gründe: zum einem aus dem Umstand, dass viele Wähler rechten und rechtspopulistischen Parteien nicht das Feld überlassen wollten. Das andere sei der Brexit, so Giegold. Viele hätten gesehen, was in England passiert sei, und wollten solche Zustände in Europa verhindern. Seiner Partei rechnet er gute Chancen aus: „Der Klimawandel hat die Leute aufgerüttelt“, sagt er am Ende des Rundganges. „Das hat uns kräftig Aufwind gegeben.“
fra

Foto: Grüne Lkr. Oldenburg
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