03.04.26 –
Pressemitteilung
KLINIKSCHLIESSUNG IST EIN FATALES SIGNAL FÜR SUCHTKRANKE JUGENDLICHE
Der Kreisverband Oldenburg Land von Bündnis 90/Die Grünen kritisiert die angekündigte Schließung der Dietrich Bonhoeffer Klinik in Ahlhorn mit Nachdruck. Mit ihr verschwindet eine der wenigen spezialisierten Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit stoffgebundenen Süchten sowie Verhaltenssüchten wie Medienabhängigkeit. Der Wegfall dieser Einrichtung ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Versagens in der Versorgung suchtkranker junger Menschen.
Die aktuellen Zahlen lassen keinen Spielraum für Relativierung: Zwar ist der Konsum klassischer Suchtmittel wie Alkohol und Tabak unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren teilweise zurückgegangen oder stabil geblieben, doch das bedeutet keineswegs Entwarnung. Rund 5–6 % der 12- bis 17-Jährigen konsumieren weiterhin illegale Drogen. Gleichzeitig nimmt die Problematik im Bereich der Medienabhängigkeit deutlich zu: Etwa ein Viertel der Jugendlichen zeigt ein riskantes Nutzungsverhalten, 5–6 % gelten bereits als abhängig. Wer angesichts dieser Entwicklung Versorgungskapazitäten abbaut, verschärft die Situation bewusst.
Sucht verlagert sich – sie verschwindet nicht.
Besonders alarmierend ist, dass die Schließung maßgeblich auf anhaltende Finanzierungslücken zurückzuführen ist. Seit Jahren ist bekannt, dass die Refinanzierung spezialisierter Therapieangebote für Kinder und Jugendliche unzureichend ist. Dennoch wurde nicht gegengesteuert. Stattdessen wird zugelassen, dass notwendige Behandlungsplätze wegfallen. Das ist gesundheitspolitisch fahrlässig.
„Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Schließung abzuwenden“, erklärt Friedjof Ohms, Sprecher des Kreisverbands.
„Schon heute klafft eine erhebliche Lücke zwischen Bedarf und Angebot – diese Entscheidung wird die Situation weiter verschärfen.“
„Dass Therapieplätze für suchtkranke Kinder und Jugendliche an Finanzierungsfragen scheitern, ist nicht hinnehmbar“, ergänzt Maike Tramann. „Hier wird an der falschen Stelle gespart – mit langfristigen Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft insgesamt.“
Der Kreisverband fordert ein sofortiges politisches Eingreifen sowie ein tragfähiges, dauerhaftes Finanzierungskonzept für spezialisierte stationäre Therapieangebote. Die Versorgung suchtkranker Jugendlicher darf nicht weiter dem Spardruck geopfert werden.
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