Masttierhaltung

Stellungnahme Veronika Hillenstedt zur Masttierhaltung, Ratssitzung am 26.01.2012

Mir ist bewusst, dass das Genehmigungsverfahren für Masttierställe grundsätzlich eine rechtliche Entscheidung und keine politische Entscheidung der Kommune ist
und daher der Verwaltung obliegt. Dennoch möchte ich gerne etwas dazu ausführen.

Pro Jahr werden in Deutschland rund 600 Millionen Masthähnchen produziert. In den Ställen der Geflügelmäster sind pro Quadratmeter im Schnitt 30 Tiere erlaubt. Jedes Tier hat ungefähr den Platz eines DIN-A-4-Blattes. Diese Hähnchen haben nur eine Lebensdauer von 30 bis 35 Tagen. In der sogenannten Kurzmast (Intensivmast), erreichen die Tiere ihr Schlachtgewicht von 1,4 bis 1,6 kg bereits im Alter von 30 bis 35 Tagen.

Durch die Überzüchtung der Tiere sind Gewichtszunahmen von 60 Gramm und mehr pro Tag die Regel. Was das bedeutet, wird klar, wenn man es auf den Menschen überträgt:

Ein Masthuhn kann pro Tag etwa 6,5% seines Körpergewichts zunehmen. Für ein Kind, das 30 kg wiegt, würde das eine tägliche Gewichtszunahme von 2 kg bedeuten. Kein Wunder also, dass die Hühner oft unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.

Dazu kommen die globalen Folgeschäden: Deutschland hat sich zur «Mastfabrik Europas» entwickelt. Durch die Überproduktion in der Masttierhaltung haben sich die Exporte binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt - von 1,5 Millionen Tonnen 2001 auf fast 3,7 Millionen Tonnen im Jahr 2010, wie das Agrar- und Verbraucherministerium auf eine Grünen-Anfrage antwortete.

Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung sagte letzte Woche auf der Grünen Woche, dass die EU-Überproduktion von Hähnchen und deren Export zu Dumpingpreisen nach Afrika, die dortigen Bauern in den Ruin treibt und hat dort zu noch mehr Hunger und Armut geführt.

Die Massentierhaltung fördert darüber hinaus den Klimawandel und hat massive Auswirkungen auf die Artenvielfalt, den Boden- und Wasserschutz.
Der Nordwesten ist eine Hochburg der Hähnchenmast in Deutschland. Doch ebenso wie die Produktion, wächst auch der Protest und die Kritik an der Massentierhaltung.
23000 Menschen haben angesichts der Grünen Woche in Berlin gegen Lebensmittelskandale,
Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen und für eine bäuerliche, ökologische
Zukunftslandwirtschaft demonstriert. Diese große Anzahl an Menschen zeigt, dass
langsam der Wunsch nach einer artgerechten Tierhaltung und somit gesünderen Ernährung zurückkehrt.
Um die Situation für Mensch und Tier zu verbessern, muss es nicht einmal die Rückkehr zum vermeintlichen Bauernhof-Idyll sein. Auch die Tierhaltung in Großbetrieben kann sinnvoll sein - wenn die Bedingungen stimmen.
Im Landkreis Oldenburg hat sich eine Bürgerinitiative MUT gebildet. Für die Bauern, sagt Herr Papenhusen von der Bürgerinitiative, seien große Hähnchenmastställe sowieso eine Fehlinvestition. Bald gebe es davon zu viele, die sich nicht mehr rentierten. Was dann bliebe, seien mit Giften und Keimen verseuchte Investitionsruinen.
Ich würde mir wünschen, dass die Gemeinde Wardenburg Interesse hat, mit der Bürgerinitiative Kontakt aufzunehmen, und evtl. mit Landwirten und anderen interessierten Bürgern
und Bürgerinnen eine Arbeitsgruppe bildet, um sich dem Thema anzunehmen und um letztendlich ein liebenswertes ökologisch wertvolles Wardenburg zu erhalten.

Kontaktdaten MUT: (Bündnis für Mensch, Umwelt und Tier im Landkreis Oldenburg,

Kontakt:
TEL: 04433/255, E-Mail: kontakt@buendnis-mut.de, Herr Wilfried Papenhusen)

Quellen: Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Grüne,
Nordwestradio Januar 2012,
MUT, Wilfried Papenhusen, Nordwest-Radio Januar 2012,
Albert-Schweitzer-Stiftung.de,
Agrar-heute.de